Archiv für den Monat: April 2015

Gedanken einer Schülerin

Ich bin jetzt kurz davor die Schule abzuschließen, also fast im Abi-Endspurt.

Wenn ich auf über ein Jahrzehnt Lernzeit zurückschaue scheint die Zeit unendlich zu sein. Eine kleine Ewigkeit ist vergangen, seit ich damals die Regenbogenfisch-Schultüte bekommen habe.

Doch was in meinen Erinnerungen von all den Jahren hängen geblieben ist, sind nur Bruchstücke, die noch nicht einmal direkt etwas mit dem Erlernten zu tun haben.

Doch vielleicht trügt der erste Eindruck auch ein wenig. Das, an was ich mich erinnere hat sich auf jeden Fall in oder mit der Schule zugetragen, man erkennt vielleicht nur den übergeordneten Lerneffekt noch nicht…

Ich finde, man wird bloß immer so komisch angeguckt, wenn man sagt, dass man nichts mehr weiß von damals, als wäre man schon sehr seltsam, wenn man von all den Jahren Deutscher Grammatik, all den Flüssen und Gebirge Asiens und Molekülen nichts mehr herunterrattern kann; unerklärlich, dass man auch noch überleben kann, wenn man nicht weiß, was ein Konsekutivsatz ist…

Dabei hat mal jemand Schlaues gesagt, das man beim Lernen anhand von einzelnen Dingen nicht das Einzelne sondern das Allgemeine erlernen soll.

Ich erinnere mich noch ziemlich gut, wie ich mich gefühlt habe damals. Zum Beispiel, wie ich plötzlich wieder Mathe liebte, nachdem ich die Schule gewechselt hatte und ich in der 4. Klasse beschloss mit anderen die Wilden Hühner zu verfilmen und das ganze Drehbuch schrieb. Wie groß und erwachsen ich mich fühlte, den großen 6.Klässlern zu sagen, was sie tun sollten und wie toll ich es fand, so viel Wertschätzung von den Erwachsenen für das zu bekommen, was ich mir vorgenommen hatte.

Ich habe damals zum Glück gar nicht die Möglichkeit gehabt, Lieblings- und Hassfächer zu haben, weil diese Trennung gar nicht existierte. Vielmehr ging es darum, einfach das zu Lernen, was man wissen wollte. Einer meiner Grundschullehrer ist mit uns buchstäblich auf Entdeckungsreise gegangen und das waren immer die besten Tage in der Schule.

Auserdem war es herrlich in der Schule zu spielen und die ganzen Materialien in den Klassenräumen zu zweckentfremden. Aus psychologischer Sicht, muss das perfekt gewesen sein, weil ich die Möglichkeit hatte, mich mit meiner Lernumgebung zu identifizieren und mich richtig wohl zu fühlen. In Wirklichkeit war es noch viel cooler sich die verrücktesten Spiele auszudenken und die Lehrer ahnten gar nichts davon.

An dem Punkt, wo ich festgestellt habe, dass ich jetzt eigentlich ‚zu groß‘ für sowas bin, war ich richtig traurig.

Herausforderungen, über seine Grenzen hinauswachsen und sich weiter in die Welt hinauswagen, das waren die Essenzen der folgenden Jahre. Ich habe meine Liebe zur englischen Sprache einer Reise nach England zu verdanken und mein Interesse an Quantenphysik einer fantastischen Person, die mit uns stundenlang diskutierte, um uns klar zu machen, wo derzeit die Genzen der wissenschaftlichen Forschung lagen.

Was mir aus dieser Zeit in Erinnerung geblieben ist, ist all der Spass an den Fahrradtouren, dem Schlafen in norwegischen Turnhallen und der wunderbaren Zeit an einer winzigen schwedischen Schule, zu der wir uns ganz allein auf den Weg gemacht hatten.

Damals habe ich mich mit all den Themen befasst, die mich interessiert haben. Da war es egal, welches Fach oder wofür ich das später gebrauchen könnte. Andererseits konnte ich bestimmte Sachen auch einfach schon mal ausprobieren. Da habe ich einfach in der 10. Klasse mit einem Freund eine Dinnershow organisiert, an der rund 70 Schüler teilgenommen haben. Es war zwar unglaublich zeitintensiv aber es hat mir so viel bedeutet und das Gefühl am Ende auf der Bühne hat hoffentlich keiner der Teilnehmer soll schnell vergessen.

Was ich aus meiner Schulzeit mitgenommen habe, ist sicher ein großer Batzen Selbstvertauen, inklusive dem Vertrauen in meine Vorhaben für die Zeit nach der Schule.

Ich weiß seit ich 12 Jahre bin, was ich mache, wenn ich groß bin und an diesem Plan hat sich seither nicht viel geändert. Die Schule hat mir den Raum gegeben, im Kleinen auszuprobieren, was ich später Umsetzen werde und dafür bin ich dankbar.

Zu diesen Ideen und Plänen hat mich damals aber keiner gedrängt, sondern ich hatte einfach alle Zeit der Welt an einem Ort, an dem ich mich zu Hause fühle.