Archiv für den Monat: Juli 2015

Zu Gast bei der GEW

Ein Beitrag von Annette Michael

Margret Rasfeld und Katja Reetz präsentieren die Neue Oberstufe bei der GEW

Anlässlich der Veranstaltung „Abitur im eigenen Takt“ haben Margret Rasfeld und Katja Reetz am 2. Juli bei der GEW Berlin das Konzept der Neuen Oberstufe präsentiert. Frau Rasfeld stellte zunächst den Schulentwicklungsansatz der ESBZ vor, der davon ausgeht, welche Metakompetenzen Schüler_innen ausbilden müssen um in der Gesellschaft von morgen zu bestehen. Sie erläuterte, wie dieser Ansatz in der SEK I erfolgreich umgesetzt wurde. Katja Reetz stellte dann die geplante Umsetzung der Neuen Oberstufe vor, die Schüler_innen Raum gibt, den eigenen Lernweg zu gestalten – in- und außerhalb der Schule – und trotzdem den Lehrplan erfüllt.

Friedemann Stöffler vom Evangelischen Firstwald-Gymnasium, Preisträgerschule des Deutschen Schulpreises, stellte das Konzept „Abitur im eigenen Takt“ vor. Mithilfe eines Modulsystems entscheiden Schüler_innen selbst, wie viel Zeit sie für die Oberstufe benötigen, Praktika und Auslandsaufenthalte mit inbegriffen. Im dazu erschienen Buch hatte Barbara Stockmeier, Projektleiterin der Neuen Oberstufe Berlin, ebenfalls einen Artikel beigesteuert.

Beide Seiten betonten die dringende Notwendigkeit der Flexibilisierung in der Oberstufe und beim Abitur – auch unter Inklusionsaspekten.

Es folgte eine rege Diskussion der Teilnehmer_innen, unter denen weitere Schulleiter_innen und Oberstufenkoordinator_innen Berliner Schulen waren. Es wurde der Wunsch nach einer engeren Vernetzung reformwilliger Schulen geäußert.

Vielleicht findet sich dafür ja Gelegenheit beim Stammtisch der Neuen Oberstufe, der ab dem kommenden Schuljahr regelmäßig stattfinden soll.

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Ein neuer Mathematikunterricht für eine Neue Oberstufe

Beitrag von Christian Kiesow

Eine neue Oberstufe zu planen heißt auch, traditionelle Wissensordnungen und die Weisen ihrer Vermittlung in Frage zu stellen. Dies gilt besonders für ein Fach, das so stark polarisiert wie die Mathematik. Während sich viele mit Unbehagen an den eigenen Mathematikunterricht zurückerinnern und am Nutzen des Faches zweifeln, sehen andere gerade in der Mathematik die eigentliche Essenz von Logik, Argumentationsfähigkeit und denkerischer Herausforderung. Wir vom Team der Oberstufe sind der Meinung, dass die Mathematik nach wie vor einen zentralen Platz in der Schulbildung einnehmen sollte. Sie sollte dies allerdings in der Vernetzung mit anderen Fächern tun und in Hinblick auf die Bewältigung konkreter, alltagsrelevanter und kreativer Projekte wie dem Entwurf eines Verpackungsdesigns, eines Landschaftsplans oder eines demographischen Zukunftsszenarios. Und auch die avanciertere Mathematik auf dem Niveau eines „traditionellen“ Leistungskurses sollte eingebettet sein in eine kulturgeschichtliche und philosophische Reflexion ihrer Begriffe und Problemlösungsmethoden. Wir sind der festen Überzeugung, dass es nicht Ziel der Schule sein kann, ja, dass es geradezu fahrlässige Verschwendung von wertvollen Lernjahren darstellt, SchülerInnen zu erziehen, die sich in dem sicheren Wissen von Matheklausur zu Matheklausur hangeln, etwas völlig sinnloses und für ihre berufliche Zukunft irrelevantes zu lernen. Vielmehr wollen wir vermitteln, dass die Mathematik eine äußerst leistungsstarke und äußerst wichtige menschliche Kulturpraxis zur Lösung von Problemen darstellt – eine Kulturpraxis, die es wert ist, auch unabhängig von beruflichen Nützlichkeitserwägungen wenigstens einmal in Ansätzen kennengelernt zu haben.

Christian Kiesow ist Lehrer für Mathematik an der Evangelischen Schule Berlin Zentrum. Er entwickelte eigens für die Neue Oberstufe eine umfassende Mathematikbroschüre, die zeigt, dass Mathematikunterricht auch sinnhaft sein kann.

Kontakt: kiesow@ev-schule-zentrum.de

Christian Kiesow

Margret Rasfeld: Ich bin stolz auf unser mutiges Team!

Seit über einem Jahr baut, bastelt, arbeitet ein engagiertes Team der Evangelischen Schule Berlin Zentrum unter Leitung unserer ehemaligen Oberstufenleiterin Barbara Stockmeier an einer neuen Oberstufe. Wir wollen unser Konzept der Sekundarstufe I konsequent weiterführen und dabei die Oberstufe endlich in das 21. Jahrhundert bringen. Auch der Weg zum Abitur muss themenorientiert, jahrgangsgemischt, vernetzt und innovativ sein, im Sinne unserer Jugendlichen. Die traditionelle Oberstufe hat ausgedient, die Methoden und Strukturen entsprechen nicht dem, was Lernen im 21. Jahrhundert braucht. Der Transformationsprozess zeigt bereits jetzt Wirkung: Wir starten bereits mit kleinen Elementen der groß gedachten Neuen Oberstufe, mit Probevollversammlungen und mit einem Umbau von Projektwochen. Ein renommierter Expertenbeirat steht uns mit Engagement bei. Andere Schule zeigen großes Interesse. Uns erwarten spannende Zeiten, unsere Schule denkt weiter, lernt und handelt. Ich bin stolz auf unser mutiges Team und spüre all die Herzenergie, die hinter diesem Projekt steckt.

Jetzt haben Schüler*innen einen kleinen Dokufilm gemacht – reinschauen lohnt sich unbedingt!