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Peer Learning – Oder wie ein Schüler ein eigenes Pulsar auf die Beine gestellt hat

Ein Pulsar wie dieses gab es an der ESBZ bisher noch nicht.

Ein Pulsar, vorbereitet und organisiert in der Hauptverantwortung durch mich, einen Schüler der 12ten Jahrgangsstufe. In diesem Artikel möchten Herr Heitz, der mich als Lehrkraft unterstützte, und ich über unsere Erfahrungen berichten sowie Tipps für zukünftige Schüler*innen-Pulsare weitergeben.

Wie sind wir zu unserem Thema gekommen?

Unser Pulsar hatte den Titel Wie das Gehirn funktioniert und wie man es technisch nachstellen kann” mit Bezug zu den Fächern Informatik, Biologie und Mathematik.

Da das Programmieren meiner Meinung nach im Grunde der “eine Skill der Zukunft” ist und ich auch zeigen will, dass Programmieren zu lernen nicht unbedingt schwerer ist als irgendetwas anderes zu lernen, war Informatik als zentrales Element in diesem Pulsar von Anfang an klar.

Um dann das Thema auszuwählen, auf das die Teilnehmer*innen auch wirklich Lust hätten, habe ich eine Umfrage in der Jahrgangsstufe gemacht. Ich hatte nämlich während der Lernexpeditionswoche etwa 10 Themen zusammengesucht und zur Auswahl gestellt. Sich mit dem Gehirn und neuronalen Netzwerken in der Technik zu beschäftigen fand schlussendlich die größte Begeisterung.

Wie haben wir gearbeitet?

Ich muss sagen, ich war schon etwas überrascht vom hohen Grade der Motivation der Teilnehmer*innen. Jacob, mein Programmierfreund, der mich vor allem im praktischen Teil sehr unterstützte die Gruppe zu betreuen, stimmt hier auch komplett zu.

Am Anfang des Pulsars, dieses Mal war es ein Mittwoch, waren als erstes Inputs zu Neuronen und neuronalen Netzwerken geplant.

Da ich es aber nicht geschafft hatte, diese rechtzeitig in Präsentationsform zu bringen, haben wir uns kurzfristig dazu entschlossen, es den Teilnehmer*innen in die Hände zu legen, die beiden Präsentationen wortwörtlich zu vollenden. Und das hat echt gut geklappt!

Später kamen dann noch Inputs von mir, um den Informatikteil einzuleiten. Als erstes habe ich Matrizen und Matrizenmultiplikation eingeführt und wir haben damit ein 13er-Jahrgang LK-Thema innerhalb von einem Unterrichtsblock geschafft.

Am zweiten Tag sind wir dann mit einigen kürzeren Präsentationen zu verschiedenen Themen der Informatik wie Big Data eingestiegen. Es hat alles etwas länger gedauert als geplant. Ein Tipp wäre also, mehr Zeit im Tagesablauf nicht zu verplanen um Freiräume zu schaffen.

In der zweiten Hälfte des Tages hatten wir eigentlich vor, mit Hilfe einer kleinen Aufgabe in die Programmiersprache Python einzusteigen, wobei die Schüler*innen hätten selbst recherchieren sollen. Da die Zeit aber schon fast weggeflogen war, bin ich ganz spontan dazu übergegangen, den Einstieg frontal zu machen. Diese Entscheidung bereue ich, weil ich eigentlich weiß, dass jeder etwas anders lernt und ich auch weiß, dass es echt doof ist einfach nur Zeug abzuschreiben und dabei nichts wirklich zu verstehen.

Am dritten Tag hatten wir am Morgen erstmal einen sehr interessanten Vortrag zum Gehirn und Forschungen zu Parkinson von Friederike Irmen, einer Ph.D. von der Charité, die wir hierfür zu unserem Pulsar als Expertin eingeladen hatten.

Was dabei entstanden ist

Nach dem Gastvortrag sind wir dann einen weiteren, diesmal erfolgreicheren Einstieg in Python angegangen. Danach sammelten wir mögliche Themen für die Vertiefungsphase, wobei wir es den Teilnehmer*innen frei stellten, ob sie eher programmieren oder sich inhaltlich mit dem Thema neuronale Netzwerke auseinandersetzen wollten.

Zusammengekommen sind dann die folgenden Themen zum Praktischen Teil des Pulsars, die von drei Kleingruppen programmiert wurden:

  • Ein Webserver, auf dem alle Dateien hochgeladen werden können und der die Basis für eine Webseite bildet, die unsere Ergebnisse darstellt
  • Die Webseite, die alle Artikel ästhetisch auf einer Plattform vereint
  • Ein Ver- und Entschlüsselungs-Programm, welches in den Webserver integriert ist mit einer Benutzeroberfläche auf der Webseite

Und als Themen für Artikel fanden sich von den inhaltlich arbeitenden Gruppen:

  • Autonomes Fahren und moralische Betrachtungen von Künstlicher Intelligenz im Straßenverkehr
  • Geschichte der Künstliche Intelligenz, Entwicklung und Nutzung im Alltag
  • Künstliche Intelligenz und Kunst
  • Quantencomputer und Ausblick in neue Technologien

In meinen Augen auf jeden Fall sehr interessante und vor allem aktuelle Themen. Das finale Ergebnis ist unter folgender Adresse erreichbar https://informatikpulsar.mcsanthy.de/

Der Code ist auch unter https://github.com/AnthyG/Informatikpulsar-Produkt einsehbar und verfügbar zum Download.

Tipps und Erfahrungsschätze

Den Pulsar in der LEX-Woche zu planen, hat für mich gut funktioniert. Die Themenfindung sollte allerdings besser schon vor der LEX-Woche geschehen sein, weil dann kann man diese komplett für die Planung nutzen. Dazu könnte man vielleicht eine Liste aushängen mit Vorschlägen und Platz für Ideen. Diese Liste könnte auch helfen betreuende Lehrer*innen zu finden. Herr Heitz, der mich in der Woche betreute, wird nun auch noch seine Erfahrungen teilen.

Mir bleibt noch zu sagen, dass ich auf jeden Fall den Pulsarkurs, den ich angeboten habe, noch ein weiteres mal anbieten möchte, natürlich mit dem Feedback der letzten Teilnehmer*innen eingebaut.

Das Pulsar aus der Sicht des betreuenden Lehrers

Für mich war dieses Pulsar eine der eindrücklichsten Erfahrungen in meiner Zeit an der Schule. Ich habe in dieser Woche erfahren, wie eine Schule aussehen könnte, in die ich gerne gehen würde. Seit ich als Lehrer arbeite stelle ich mir die Frage, wie es funktioniert, dass die Schüler*innen sich die Lernziele wirklich zu eigen machen. Wie schafft man einen Raum, in dem die Menschen nicht das tun, was ihnen vorgesetzt wird, sondern das, was sie wirklich von sich aus tun wollen?

Die Antwort auf diese Frage, die ich in dieser Woche für mich gefunden habe, und der damit verbundene Lernprozess lassen sich mit zwei Worten zusammenfassen: vertrauen und loslassen.

Dass die Schüler*innen ein starkes eigenes Interesse an dem Thema zeigten lag meiner Ansicht nach daran, dass sie es mit ausgewählt hatten und die Relevanz für ihre Ausbildung darin sahen. Dieser Umstand und der Zuspruch von einem Freund, der uns an den ersten Tagen im Pulsar begleitete, halfen mir auf den Gruppenprozess zu vertrauen.

Ich rate dazu, die Betreuung eines Schüler*innen-Pulsars im Team zu machen oder sich zumindest Supervision dafür zu holen, da die eigenen Lernprozesse doch recht intensiv sein können. Für mich war das Loslassen eine Herausforderung.

Ich begann längere Zeiten weg zu bleiben, da es sich mit der Gruppe verhielt wie mit einem quantenmechanischen Experiment: als Beobachter nimmt man bereits Einfluss auf die Vorgänge. Ich war immer wieder überrascht, wie vertieft die Gruppe bei meiner Rückkehr in ihre Arbeitsprozesse war. Dass auch ohne mein Eingreifen in der Gruppe effektive Lernprozesse abliefen, war schnell klar. So durfte ich mit Staunen beobachten, wie durch angstfreies Probieren an der Tafel, durch gegenseitiges Erklären und Herumspielen die Gruppe sich in Null Komma Nichts Matrizenmultiplikation beigebracht hatte!

Als ich am Freitag Nachmittag bei anstrengend heißen Temperaturen kurz vor 15 Uhr nach bereits intensiven Arbeitsphasen aus der Gruppe den Kommentar hörte: “Also den “while-loop” machen wir jetzt auch noch, sonst haben wir die Programmier-Grundlagen noch nicht abgeschlossen!” war ich endgültig überzeugt von der Arbeitsmoral.

Überflüssig war ich dennoch in keinster Weise. Die morgendlichen Einstiege und nachmittäglichen Check-out Runden waren wichtig, um den Rahmen zu halten. Für Anthony und Jacob war ich eine wichtige Unterstützung, die Gruppendynamik und ihren Unterricht zu reflektieren. Außerdem konnte ich mit meinem eigenen Interesse und Begeisterung für das Thema die Gruppe bereichern.

Wie anders dieses Schüler*innen-Pulsar für mich war, zeigte mir der Umstand, dass ich nach einem vollen Schultag energetisiert und motiviert statt erschöpft nach Hause gekommen bin! Ich glaube, dass dieses Format viel Potential birgt und wegweisend sein kann für eine Schule der Zukunft.

Vielen Dank an Anthony und Simon Heitz für das Schreiben und zur Verfügung stellen ihres Erfahrungsbericht für unseren Blog hier.

Die Fachliteratur hat uns entdeckt!

Bereits nach vier Jahren engagierter Arbeit ist es soweit: Wir sind sehr stolz und freuen uns sehr, dass unsere mittlerweile erprobten Lernarrangements für eine Neue Oberstufe Einzug in die (Fach-)Literatur halten.

Pädagogik der Jugendphase – wie Jugendliche engagiert lernen. Hintergründe und Praxiswissen (Anne Sliwka, 2018)

Das ehrt uns besonders: Professorin Anne Sliwka (Universität Heidelberg) greift in ihrer neuesten Veröffentlichung Pädagogik der Jugendphase – wie Jugendliche engagiert lernen die Pulsare als Beispiel auf, wie forschendes, ko-konstruktives Lernen und instruktiver Unterricht erfolgreich und motivierend Hand in Hand gehen können.

Der Beltz-Verlag kündigt das Buch wir folgt an: Wie kann Unterricht so gestaltet werden, dass Teenager eigenverantwortlich, engagiert und motiviert lernen? Weltweit zeigen Studien einen Einbruch der Lernmotivation im frühen Jugendalter. Dies führt bei vielen Jugendlichen zu verschlechterten Schulleistungen und zu Schulmüdigkeit. Der Grund für dieses »Motivationsloch«: Schule und Unterricht reagieren bislang zu wenig auf die starken kognitiven und sozial-emotionalen Veränderungen in der Jugendphase – und auf den großen Umbruch in der Lebenswelt der Jugendlichen, die Digitalisierung. Anhand von Studien und Schulbeispielen zeigt die Autorin, wie lehrerzentrierter, instruktiver Unterricht und neue Formen des forschenden und ko-konstruktiven Lernens Hand in Hand gehen können – damit Schule Jugendlichen und Lehrkräften wieder Freude macht.

Eine Leseprobe zum Buch finden Sie hier.

13 Jahre Schule statt Bildung: Meldung aus der letzten Reihe (Simon Clemens, 2018)

Besonders berührt hat uns Simons Beitrag zur Neuen Oberstufe in seinem Buch 13 Jahre Schule statt Bildung, das eine leidenschaftliche Einladung zu einem sinnvollen Lernen ist. Kurz nach seinem Abitur besuchte uns Simon vor etwa drei Jahren, fragte uns neugierig zu unseren Ideen für eine neue Oberstufe aus und wir hatten einen gesprächsfreudigen, sehr schönen gemeinsamen Nachmittag in Berlin. Sein Buch ist eine lebendige und kritische Reflexion der Schule und des Lernens. Dabei entsteht ein Lernverständnis, das statt Desinteresse und Gleichgültigkeit vielmehr Neugier, Ehrgeiz und Sinnhaftigkeit weckt.

Hier ein kleiner Auszug aus Kapitel 12, in dem Simon von unserer Oberstufe erzählt: (…) Statt Unterricht soll der Schulalltag hier aus Konzepten wie Pulsaren, Lernexpeditionen, Vertiefungswochen oder Reflexionstagen bestehen. Bevor wir genauer betrachten, was sich hinter diesen Begriffen verbirgt, ist es zunächst beachtlich, welches Bewusstsein sich die „Neue Oberstufe“ erarbeitet hat. So stellt sie sich zunächst grundlegenden Fragen des Miteinanders: Wie gehe ich mit den Menschen um, denen ich täglich begegne? Mache ich sie zum Objekt meiner Bewertung oder schaffe ich Raum, um ihnen verstehend gegenübertreten zu können? Habe ich Pläne für mein Gegenüber oder gestehe ich ihm einen eigenen Entwicklungsraum zu? Diese Fragen hat sich die „Neue Oberstufe“ gestellt und zum Leitfaden ihres Handelns gemacht. So betont Barbara Stockmeier, eine der Verantwortlichen, dass die Grundlage jedes Lern- und Entwicklungsprozesses die Qualität der Beziehungskultur sei. Dabei sei Beziehungslernen grundlegend „Ausdruck von Achtsamkeit und Wertschätzung“. Auch wenn solche Aussagen vielleicht auf die Kalender des durchschnittlichen Lehrerzimmers gedruckt sind, besitzen sie vor dem Hintergrund des bestehenden Schulsystems eine gewaltige Sprengkraft – zumindest wenn man sie in die Realität umsetzt. (…)  Innovative Schulmodelle wie das der „Neuen Oberstufe“ in Berlin sind zweifellos tolle Beispiele für eine lerngerechte Schule. Allerdings sind diese Ideen nicht als Vorlagen, sondern vielmehr als Inspiration für die Gestaltung der „eigenen“ Schule zu verstehen. Denn ebenso wie die Schüler unterschiedlich sind, sind es auch die Schulen. Daher gibt es keine Pauschallösungen für gelungenes und organisiertes Lernen. So ist das wahrhaft Inspirierende der Evangelischen Schule Berlin Zentrum nicht unbedingt ihr konkreter Alltag, sondern dass sie sich als Bildungsinstitution selbst ernst nimmt und ein ausgeprägtes Bewusstsein für ihre eigenen Mitglieder entwickelt hat.

Transformation der Oberstufe – Neue Lernformate und Organisationsstrukturen für die gymnasiale Oberstufe (B. Stockmeier, E. Drimmer). In: Informationsschrift Recht und Bildung des Instituts für Bildungsrecht und Bildungsforschung e.V., Heft 1/2018.

Wunderbar freundlich hartnäckig hat der Herausgeber, Prof. Dr. Vogel, insistiert, dass wir einen Beitrag für seine Informationsschrift Recht und Bildung verfassen. Was lange währte ist nun geschafft und auch das macht uns stolz. Barbara Stockmeier erklärt gemeinsam mit Eyal Drimmer unser Konzept einer neuen Oberstufe anschaulich und praxisnah. Das Heft kann bei Interesse hier bestellt werden.

Mit flexiblen Lehr- und Lernformen zum Lernen inspirieren (Annette Güth). In: SchulVerwaltung spezial, Lernfrust und Lernlust. Heft 4/2017.

Bereits vor fast einem Jahr stellte Annette Güth in einem ermutigenden Beitrag unser Konzept und unsere Lernformate vor und ist dabei im Besonderen auf die Lernexpedition als selbstgestaltete Lernumgebung eingegangen. Die Zeitschrift ist im Abo hier analog und digital erhältlich.

Evangelische Schule Berlin Zentrum (ESBZ) – Reformpädagogik für morgen (D. Randoll, P. Ehrler)In: T.-S. Idel / H. Ullrich: Handbuch Reformpädagogik. 2017.

Auch bereits 2017 verfasste unser Evaluationsteam, Prof. Dr. Dirk Randoll und Petra Ehrler der Alanus-Hochschule, einen umfassenden Artikel zur ESBZ in dem Handbuch Reformpädagogik. Es wird u.a. mit folgenden Worten angekündigt: In diesem Handbuch präsentieren Expert/innen Beiträge zur »klassischen Reformpädagogik«, zu ihrer Rezeption und Transformation in den letzten Jahrzehnten und zur Expansion reformpädagogischer Konzepte und Methoden in innovativen Schul- und Lernkulturen der Gegenwart.

Eine Leseprobe zum Buch finden Sie hier.

 

Trickfilm-Ergebnisse aus dem Pulsar „Unfairtobacco“

Im Februar fand die inzwischen 6. Pulsarwoche in der Oberstufe an der Evangelischen Schule Berlin Zentrum statt. Die Jugendlichen aus Jahrgang 11 und 12 beschäftigten sich dabei fächervernetzt und jahrgangsübergreifend mit einem Thema aus verschiedenen Fachperspektiven (mehr Informationen zum Lernformat Pulsar gibt es hier). Es gab auch dieses Mal wieder eine Vielzahl an verschiedenen Angeboten.

Eines der zehn Pulsare war „Unfairtobacco“, bei dem es um das Thema Tabakanbau und deren Einfluss auf die Umwelt ging. Ziel war es, dass die Schülerinnen und Schüler sich mit dem Thema auseinandersetzen und am Ende u.a. einen Trickfilm erstellen können. Das Thema wurde dabei aus den beiden Fachperspektiven Geographie (Landnutzung in zwei/drei verschiedenen Ökosystemen der Tropen und Subtropen; Maßnahmen zum Schutz dieser Ökosysteme und das Verstehen postkolonialer Strukturen) sowie Kunst (Mensch und Medium: Wirklichkeit – Abbild und Inszenierung mit dem Schwerpunkt Trick-Film) betrachtet. Bei der Arbeit an den Filmen halfen Medienpädagog*innen vom Landesverband Kinder- und Jugendfilm, bei denen wir uns an dieser Stelle herzlich bedanken.

Herausgekommen sind diese drei Trickfilme, die wir Ihnen nicht vorenthalten möchten. Viel Spaß beim Anschauen und Stöbern.

Wie beeinflusst Tabak die Umwelt?
Ein Film von Anouk, Lucie, Eva-Luna und Jolán

Provoke Smoke – Warum fängt man an zu rauchen?
Ein Film von Anna, Lilli und Ina

Arbeitsbedinungen beim Tabakanbau
Ein Film von Salyma, Emma, Salome, Josephine und Karla

 

 

Film zur 2. Europäischen Konferenz online

Juhuu, endlich ist der Film zur 2. European Conference on Transforming Education fertig. Die Konferenz hat letzen September in Zürich mit insgesamt fünf innovativen Oberstufen aus Deutschland, Schweiz und Dänemark stattgefunden. Uns eint das Ziel die gymnasiale Oberstufe zu tansformieren und uns in diesem Veränderungsprozess auf europäischer Ebene auszutauschen, zu inspireren, zu ermutigen und gemeinsam neue Wege zu gehen. Einen ausführlichen Bericht zur Konferenz finden Sie hier.

Viel Freude beim Anschauen des Videos!

 

 

 

Workshoptag zu Lern- und Arbeitskompetenzen

Zum zweiten Mal haben wir erfolgreich das Lernformat „Lern- und Arbeitskompetenzen“ Anfang November erprobt. Dieses Mal mit 300 Oberstufenschüler*innen und damit mit der kompletten Oberstufe, Jahrgang 11-13 jahrgangsgemischt. Sie haben sich fit gemacht für nachhaltiges Lernen und Arbeiten.

An diesem Tag konnten die Jugendlichen aus einem Angebot von 30 verschiedenen Workshops zwei Angebote auswählen – einen am Vor- und einen am Nachmittag. Von fachlichen über methodischen bis hin zu überfachlichen Kompetenzen wurde eine breite Themenvielfalt angeboten. Dies waren beispielsweise:

  • Quellen quälen – quälen Quellen? – Quellenanalyse
  • Punkt, Punkt, Komma, Strich – Rechtschreibung und Zeichensetzung
  • Philosophie trifft auf Biologie – Biologische Wege zu einem langen und erfüllten Leben
  • Buchbindermanufaktur
  • Wenn ich mal groß bin werde ich Superheld – Berufsorientierung
  • SelbständICH – Wie gründe ich ein Unternehmen?
  • Endlich raus von Zuhaus! Meine erste eigene Wohnung – Mietvertrag & Co

Hier finden Sie alle Angebote, um einen Eindruck über die Vielfalt zu bekommen.

Neben Lehrkräften haben 37% der Workshops externe Experten und Eltern gehalten. Dank der Unterstützung von außen konnten wir damit spannende Expertise zu überfachlichen Themen an diesem Tag in die Schule holen. Dafür bedanken wir uns bei allen Beteiligten sehr herzlich. Wir freuen uns, dass wir damit einen unserer Leitgedanken der Neuen Oberstufen –  Lernen von und mit Expertinnen und Experten – weiter vertiefen und erproben konnten.

Finden Sie hier nun noch ein paar Impressionen. Dank an den Fotografen Sebastian Pfütze.

 

2. Europäische Konferenz – Es geht weiter…

Wir erinnern uns zurück an das Jahr 2016 und die erste European Conference on Transforming Education, die vom 24.-27. September an der Evangelischen Schule Berlin Zentrum stattfand. Eine Veranstaltung von und für Schulen mit innovativen Oberstufen. Schulen, die in Bewegung sind und die voranschreiten, um einen Impuls zu setzten: Denn so wie Schule derzeit ist, kann sie nicht weiter bleiben. (Hier geht es zum Bericht der letzten Konferenz)

Die diesjährige TreEdu Conference fand vom 23.-26.09.2017 in Zürich statt, ausgerichtet vom Gymnasium Unterstrass. Wir waren mit drei SchülerInnen – Clara (Jg 13), Lina und Wilma (beide Jg 12)-  begleitet von der Projektleiterin der Neuen Oberstufe – Annette Güth – vertreten. In einem etwas kleineren Rahmen als letztes Jahr, doch nicht minder inspiriert, machten wir uns ans Werk.

Dieses Mal waren mit dabei:

Schwerpunkt der diesjährigen Konferenz war die Weiterverfolgung und Vertiefung unserer im letzten Jahr gesetzten Ziele:

  • Der Aufbau eines europäische Netzwerks innovativer Oberstufen – als verbindendes, inspirierendes und demokratisches Instrument
  • Die gegenseitige Unterstützung für das Überwinden bürokratischer Hürden und restriktiver Lehrpläne
  • Der Aufbau von SchülerInnen- und LehrerInnenaustausch sowie Schulbesuchen
  • Erfahrungs- und Informationsaustausch sowie gemeinsames Entwickeln von neuen Lernformaten

Drei Tage lang arbeiteten wir intensiv und manchmal auch bis in die späten Abendstunden. Dabei stand auf unserer Agenda:

  • Austausch zwischen unseren Oberstufen über das, was schon gut läuft und wo unsere aktuellen Herausforderungen liegen
  • Entwicklung einer gemeinsamen Vision
  • Kennenlernen des Schulalltags am Gymnasium Unterstrass
  • Findung eines geeigneten Formats für einen SchülerInnen- und LehrerInnenaustausch
  • Erstellung eines Action-Plans mit unseren nächsten Schritten

Als ein zentrales Ergebnis ist diese gemeinsame Vision entstanden.
Wir wollen SchülerInnen befähigen…

  • Probleme zu erkennen und anzupacken, um einen nachhaltigen positiven Einfluss auf die Zeit, in der wir leben, zu haben
  • selbständig, selbstorganisiert und verantwortungsvoll in flexiblen Lernumgebungen und Formaten (Lernen in Projekten, Themen- und Methoden-Lernen) zu arbeiten
  • sich Herausforderungen in unserer modernen Gesellschaft,, wie zum Beispiel Demokratie, Umwelt, Migration, Digitalisierung etc. souverän zu stellen

LehrerInnen die Chance geben

  • in freien Lernumgebungen Entfaltungsmöglichkeiten ausschöpfen zu können
  • als gleichwertige Coaches der SchülerInnen sowie ebenfalls als Lernende zu agieren

…und nicht zuletzt das ganze Schulsystem dazu anregen

  • demokratische Strukturen zu etablieren
  • Inhalte, Werte und Fähigkeiten zu vermitteln, die auf „das Leben nach der Schule“ vorbereiten
  • Schule so umzustrukturieren, dass SchülerInnen aktiv ihre eigene Bildung gestalten können
  • Disfunktionale Noten und Prüfungen abzuschaffen

Neben der Arbeit durfte ein spannendes Freizeitprogramm nicht fehlen. So gab es drumherum , wie schon im letzten Jahr, gemeinsames „Happy Cooking“ sowie landestypisch schweizerisches Käsefondue und die Besichtigung des Züricher Hausbergs „Uetliberg“.

  

Wie geht es nun weiter?

Für das nächste Jahr haben wir uns vorgenommen:

  • in vier Videokonferenzen alle drei Monate zusammen zu kommen, um uns zu unseren gesetzten Entwicklungsvorhaben auszutauschen und uns darin zu unterstützen
  • weitere interessierte innovative Oberstufen aus Europa für unser Netzwerk zu gewinnen
  • EU-Funding und weitere Finanzierungsalternativen zu erwirken, um den Aufbau des Netzwerks weiter zu stärken
  • SchülerInnen und LehrerInnenaustausch zwischen unseren Schulen auf den Weg zu bringen
  • Auch 2018 im September eine EU-Konferenz stattfinden zu lassen – ausgerichtet von der Jenaplanschule Jena

Inspiriert und beschwingt von der Konferenz freuen wir uns nun auf die gemeinsame Netzwerkarbeit im nächsten Jahr.

Zwischenbericht der Evaluation der Lernformate

Wir freue uns, dass uns nun die Zwischenberichte der wissenschaftlichen Evaluierung der neuen Lernformate in der Oberstufe vorliegen und uns bestätigen, dass Pulsar und Lernexpedition von der großen Mehrheit der SchülerInnen und LehrerInnen als bereichernd und lernfördernd wahrgenommen werden.

Das Evaluationsteam der Alanus Hochschule (Prof. Dirk Randoll, Petra Ehrler sowie Dr. Jürgen Peters) hat in den letzten zwei Schuljahren 2015/16 und 2016/17 insgesamt vier Pulsare, drei Lernexpeditionen sowie einen Tag zu Lern- und Arbeitskompetenzen evaluiert (letzteres konnte leider noch nicht in den Zwischenbericht einfließen).

In diesem Gesamtfazit finden Sie eine kompakte Zusammenfassung der Ergebnisse.

Ergebnisse zum Pulsar

Die Ergebnisse zeigen, dass LehrerInnen wie SchülerInnen die Interdisziplinarität der Pulsare und damit die Aufhebung der Fächerisolation als persönliche Bereicherung empfinden. Das Wochenformat ermöglicht es den Jugendlichen sich intensiver mit einem Thema zu beschäftigen, dabei die Komplexität und die Zusammenhänge besser zu durchdringen und führt zu einer höheren Motivation und Begeisterung für das Thema, da sie sich auch über den Unterricht hinaus mit dem Thema befassen wollen. Externe Experten, Fachreferenten und der Besuch von externen Lernorte können durch das Wochenformat sinnvoll in die Pulsarwoche eingewoben werden, was bei den SchülerInnen als sinnvolle Bereicherung wahrgenommen wird. Neben dem angeleiteten Lernen gibt es im Pulsar auch Raum für selbständiges und eigenverantwortliches Lernen, das von den SchülerInnen sehr wertgeschätzt wird. Die anfängliche erhöhte Arbeitsbelastung bei den LehrerInnen zeigt einen Abwärtstrend bei zunehmender Anzahl durchgeführter Pulsare.

Bericht Evaluationsergebnisse Pulsar

Ergebnisse zur Lernexpedition

Die Ergebnisse zeigen, dass SchülerInnen in Lernexpeditionen vor allem das selbständige, eigenverantwortliche Arbeiten und die Möglichkeit sich neues Wissen anzueignen als persönlich bereichernd einschätzen. Die Jugendlichen lernen dabei mit viel Freude und Begeisterung und erleben sich dabei als Motor ihrer eigenen Handlung durch die hohe Selbstbestimmtheit in ihrem Lernprozess. Es zeigt sich, dass durch Lernexpeditionen ein größerer Praxisbezug sowie Anregungen für die eigene Berufsorientierung erreicht werden. Genauso werden fachliche Themen vertieft und neu gelernt. Auch die LehrerInnen schätzen die Freiheit des Formats und dass die SchülerInenn wesentliche Erfahrungen zu selbstorganisiertem Lernen machen können.

Bericht Evaluationsergebnisse Lernexpedition

Ausblick

Die Evaluation wird über die nächsten zwei Jahren fortgeführt werden, sodass dadurch bis zum Schuljahresende 2018/19 noch fundiertere und über einen längeren Zeitraum erhobene Ergebnisse vorliegen werden, die im Anschluss in einer Publikation münden sollen. Wir werden Sie dazu auf dem Laufenden halten.

Diese ersten Evaluationsergebnisse lassen den Schluss zu, dass die neuen Lernformate und Organisationsstrukturen eine vielversprechende Alternative zum klassischen Weg zum Abitur sein können. Sie weisen darauf hin, dass die Schüler nicht nur die fachliche Kompetenzen der Sekundarstufe II erreichen, sondern zusätzlich wertvolle methodisch-strategische, sozial-kommunikative und individuelle Kompetenzen erwerben.